genervte Frau telefoniert

Arbeiten mit Fibromyalgie

So kommst du besser durch den Arbeitstag

Autorin: Kerstin Goldstein
Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2025

Arbeiten mit Fibromyalgie kann den Alltag vor besondere Herausforderungen stellen. Schmerzen, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder eine stark schwankende Belastbarkeit passen oft nur schwer zu festen Arbeitszeiten und hohen Anforderungen. Viele versuchen trotzdem, „einfach durchzuhalten“ – oft auf Kosten der eigenen Energie und Gesundheit.

Mit Fibromyalgie zu arbeiten bedeutet nicht, weniger wertvoll oder weniger leistungswillig zu sein. Es bedeutet, andere Wege zu finden, um gut durch den Tag zu kommen.

In diesem Artikel teile ich typische Herausforderungen im Berufsalltag und praktische Tipps, die dir helfen können, deine Arbeit besser an deine Bedürfnisse anzupassen.

Arbeiten mit Fibromyalgie: typische Herausforderungen im Berufsalltag

Einen Arbeitstag mit Fibromyalgie zu managen, ist oft weniger eine einzelne große Hürde als vielmehr eine Summe vieler kleiner Belastungen. Schmerzen können dauerhaft präsent sein oder sich im Laufe des Tages verstärken. Dazu kommt häufig eine tiefe Erschöpfung, die sich nicht einfach durch ein Nickerchen beheben lässt. Konzentration, Merkfähigkeit und Tempo schwanken – manchmal sogar von Stunde zu Stunde.

Im Berufsalltag kollidiert das oft mit festen Strukturen: Termine, Deadlines, lange Sitzzeiten oder körperlich einseitige Tätigkeiten lassen wenig Spielraum. Viele Betroffene spüren zusätzlich inneren Druck, „funktionieren“ zu müssen, um nicht aufzufallen oder als unzuverlässig wahrgenommen zu werden.

Besonders herausfordernd ist dabei die Unvorhersehbarkeit. An manchen Tagen geht vieles gut, an anderen fühlt sich selbst eine kleine Aufgabe überwältigend an. Arbeiten mit Fibromyalgie bedeutet deshalb, mit Unsicherheit zu leben – und Wege zu finden, trotzdem handlungsfähig zu bleiben.

Viele Betroffene vergleichen sich mit Kolleginnen und Kollegen oder mit dem eigenen Leistungsniveau von früher. Das kann frustrieren und zusätzlich Energie kosten. Arbeiten mit Fibromyalgie fordert deshalb nicht nur körperlich, sondern auch mental.

Wie geht es dir in deinem Berufsalltag?

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Fibromyalgie begleitung

Eigene Grenzen besser wahrnehmen und ernst nehmen

Ein zentraler Punkt beim Arbeiten mit Fibromyalgie ist der Umgang mit den eigenen Grenzen. Viele haben über lange Zeit gelernt, Warnsignale zu ignorieren: Müdigkeit, steigende Schmerzen oder innere Unruhe werden übergangen, um Aufgaben noch „schnell“ zu erledigen.

Langfristig kostet genau das viel Energie. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Frühwarnzeichen bewusst wahrzunehmen. Das können körperliche Signale sein, aber auch mentale: nachlassende Konzentration, Gereiztheit oder das Gefühl, innerlich leer zu sein.

Grenzen ernst zu nehmen bedeutet nicht, aufzugeben. Es bedeutet, rechtzeitig gegenzusteuern, bevor die Erschöpfung überhandnimmt. Wer denkt, Pausen seien verzichtbar, übersieht, dass sie entscheidend dafür sind, den Tag ohne Überlastung zu meistern.

Hilfreich ist es, den eigenen Anspruch zu überprüfen. Muss wirklich alles gleich gut und gleich schnell erledigt werden? Darf ein Arbeitstag auch mal weniger produktiv sein? Arbeiten mit Fibromyalgie braucht ein anderes Verständnis von Leistung – eines, das deine Gesundheit mit einbezieht. Dein Arbeitstag wird deutlich leichter, wenn du dir erlaubst, realistische Erwartungen an dich selbst zu haben.

Pausen sind kein Luxus und kein Zeichen von Schwäche, sondern ein notwendiger Bestandteil, um arbeitsfähig zu bleiben.

Frau arbeitet im Büro und fokussiert sich auf dem Bildschirm

Den Arbeitstag mit Fibromyalgie klug strukturieren

Eine durchdachte Tagesstruktur kann viel Entlastung bringen. Statt Aufgaben einfach der Reihe nach abzuarbeiten, lohnt es sich, sie nach Energiebedarf zu sortieren. Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern, lassen sich – wenn möglich – in Phasen legen, in denen du dich stabiler fühlst.

Hilfreich ist auch, größere Aufgaben in kleinere Schritte zu unterteilen. Das reduziert Überforderung und macht Fortschritte sichtbar. Kurze, bewusste Pausen zwischen den Aufgaben helfen dem Nervensystem, sich zu regulieren, selbst wenn es nur wenige Minuten sind.

Routinen können zusätzlich Sicherheit geben. Feste Zeiten für Bewegung, kleine Atempausen oder einen Positionswechsel unterstützen den Körper dabei, nicht in dauerhafte Anspannung zu geraten. Schon wenige Minuten zum Aufstehen, Lockern, Atmen oder bewussten Durchatmen können helfen, Überlastung vorzubeugen.

Auch klare Übergänge zwischen Aufgaben unterstützen die Konzentration und reduzieren Stress. Arbeiten mit Fibromyalgie heißt nicht, alles perfekt zu planen, sondern einen Rahmen zu schaffen, der dich trägt – auch an schwierigeren Tagen.

Wie hast du deinen Arbeitstag strukturiert? Wann machst du Pausen?

Achtsamkeit fest in den Alltag einbauen

Arbeiten mit Fibromyalgie wird deutlich leichter, wenn dein Arbeitsplatz dich unterstützt statt zusätzlich belastet. Oft sind es kleine Veränderungen, die spürbar entlasten und den Arbeitstag angenehmer machen.

Ergonomie am Arbeitsplatz

Ein gut eingestellter Stuhl, ein passender Tisch und ein Bildschirm auf Augenhöhe können Schmerzen im Nacken, Rücken und in den Schultern reduzieren. Wenn du viel sitzt, lohnt es sich, regelmäßig die Sitzposition zu verändern und nicht starr in einer Haltung zu bleiben.

Bewegung und Positionswechsel einbauen

Langes Sitzen oder Stehen kann die Beschwerden verstärken. Kurze Positionswechsel, ein paar Schritte zwischendurch oder sanfte Mobilisationsübungen helfen, Verspannungen zu lösen und den Kreislauf in Schwung zu halten. Das muss kein extra Training sein – kleine Impulse reichen oft schon aus.

Reize bewusst reduzieren

Licht, Lärm oder visuelle Unruhe können zusätzlich ermüden und die Konzentration erschweren. Wenn möglich, sorge für angenehmes Licht, nutze Kopfhörer oder schaffe dir einen ruhigen Arbeitsplatz. Auch hier gilt: Schon kleine Anpassungen können viel bewirken.

Flexible Rahmenbedingungen nutzen

Homeoffice, flexible Arbeitszeiten oder kurze Pausen nach Bedarf können eine große Entlastung sein. Arbeiten mit Fibromyalgie bedeutet nicht, starr an einem Modell festzuhalten. Wenn du Spielraum hast, darfst du ihn nutzen – zum Wohle deiner Gesundheit und deiner Leistungsfähigkeit.

Dein Arbeitsplatz muss nicht perfekt sein. Entscheidend ist, dass er sich Schritt für Schritt besser anfühlt und dich im Arbeitsalltag unterstützt statt zusätzlich Kraft zu kosten.

Eine meiner 1:1 Kundinnen (Grundschullehrerin) hat sich einen bequemen Sessel ins Klassenzimmer gestellt. Mit ihren Schülern hat sie besprochen, dass sie ab und an 2 Minuten Auszeit im Sessel braucht. Perfekte Selbstfürsorge!

Lächelnde Frau sitzt vor Tablet und schaut in die Kamera

Mein idealer Arbeitstag

In den letzten Jahren habe ich herausgefunden, dass für mich persönlich folgende Struktur im Homeoffice am besten funktioniert:

8-8:30 Uhr Arbeitsbeginn (E-Mails checken, Tätigkeiten die wenig Konzentration benötigen, damit mein Gehirn noch aufwachen kann)

10 Uhr Kaffeepäuschen (plus ggf. Wäsche aufhängen o.ä.)

10:15 – 12 Uhr Arbeit, die Konzentration erfordert

12 – 13 Uhr Mittagspause inkl. Kochen, Essen, Aufräumen

13 – 13:15 Uhr Meditation in der Hängematte

13:15 – 14 Uhr nochmal Fokuszeit

14 – 17 Uhr Kundentermine

spätestens ab 18 Uhr Feierabend

Das ist mein idealer Tag … klappt oft, aber nicht immer …

Kommunikation im Job: offen, klar und selbstbestimmt

Fibromyalgie bringt oft nicht nur körperliche, sondern auch kommunikative Herausforderungen mit sich. Viele fragen sich: Soll ich etwas sagen? Wenn ja, wie viel? Und wem gegenüber? Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort – wichtig ist, dass es sich für dich stimmig anfühlt.

Ich halte es für hilfreich, sich vorab klarzumachen, was du dir durch ein Gespräch erhoffst. Geht es um mehr Verständnis? Um konkrete Anpassungen? Oder einfach darum, weniger erklären zu müssen, warum deine Leistung schwankt? Diese Klarheit hilft, ruhig und sachlich zu bleiben.

Du musst keine medizinischen Details teilen. Oft reicht es, deine Situation kurz zu beschreiben, zum Beispiel in Bezug auf deine Belastbarkeit oder deinen Energiehaushalt. Beim Arbeiten mit Fibromyalgie ist es völlig legitim zu sagen, was du brauchst, um gut arbeiten zu können – etwa flexible Pausen, eine angepasste Aufgabenverteilung oder ruhigere Arbeitsphasen.

Genauso wichtig ist es, Grenzen freundlich, aber klar zu kommunizieren. Wenn du merkst, dass etwas zu viel wird, darfst du das ansprechen, bevor du komplett erschöpft bist. Das schützt nicht nur dich, sondern sorgt langfristig auch für mehr Verlässlichkeit im Job.

Und noch etwas: Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil. Beim Arbeiten mit Fibromyalgie ist es oft ein entscheidender Schritt, um dauerhaft im Berufsalltag bestehen zu können – ohne dich ständig zu überfordern.

In meiner 1:1 Begleitung zeige ich meinen Kundinnen, wie sie offen und sicher mit ihrem Umfeld über Fibromyalgie sprechen können.

Selbstfürsorge während und nach der Arbeit

Arbeiten mit Fibromyalgie bedeutet nicht nur, den Arbeitstag irgendwie zu bewältigen. Entscheidend ist auch, wie du währenddessen und danach mit dir umgehst. Selbstfürsorge ist kein Extra, sondern eine wichtige Grundlage, um langfristig arbeitsfähig zu bleiben.

Kleine Pausen bewusst nutzen

Kurze Pausen können viel bewirken, wenn du sie gezielt einsetzt. Ein paar tiefe Atemzüge, ein kurzer Gang ans Fenster oder sanfte Bewegungen für Nacken und Schultern helfen deinem Nervensystem, sich zwischendurch zu regulieren. Oft reichen schon ein bis zwei Minuten, um wieder etwas mehr Klarheit und Ruhe zu spüren.

Sanfte Bewegung statt völliger Erschöpfung

Viele neigen dazu, sich in Arbeitspausen komplett still hinzusetzen oder durchzuhalten, bis gar nichts mehr geht. Gerade bei Fibromyalgie kann jedoch leichte, achtsame Bewegung entlastend wirken. Kleine Positionswechsel, Aufstehen, Strecken oder ein paar ruhige Schritte können helfen, Spannung zu lösen und die Durchblutung zu fördern.

Den Übergang nach der Arbeit bewusst gestalten

Nach der Arbeit direkt in den nächsten Programmpunkt zu springen (Einkaufen, Abendessen kochen, Wäsche waschen, …), verstärkt oft die Erschöpfung. Wenn möglich, plane einen kurzen Übergang ein: ein paar Minuten Ruhe, eine Atemübung, eine Tasse Tee oder ein kurzer Spaziergang. So signalisierst du deinem Körper, dass der Arbeitstag beendet ist.

Erholung ohne Leistungsdruck

Selbstfürsorge nach der Arbeit heißt nicht, noch mehr „richtig machen“ zu müssen. Es geht darum, das zu wählen, was dir wirklich guttut – sei es Ruhe, sanfte Bewegung, Entspannung oder auch bewusstes Nichtstun. Arbeiten mit Fibromyalgie gelingt besser, wenn Erholung genauso selbstverständlich wird wie die Arbeit selbst.

Selbstfürsorge zwischendurch und nach der Arbeit sorgt dafür, dass du deine Kräfte langfristig erhältst.

Business Frau dehnt sich im Stehen im Büro

Fazit: Arbeiten mit Fibromyalgie darf sich machbar anfühlen

Arbeiten mit Fibromyalgie ist oft ein tägliches Austarieren zwischen Anforderungen von außen und den eigenen Bedürfnissen. Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen oder jeden Tag gleich leistungsfähig zu sein. Viel wichtiger ist, dass du lernst, dich selbst ernst zu nehmen, frühzeitig auf Signale deines Körpers zu reagieren und deinen Arbeitsalltag so zu gestalten, dass er dich nicht dauerhaft überfordert.

Schon kleine Veränderungen können viel bewirken: eine bessere Struktur, bewusste Pausen, klare Kommunikation und mehr Selbstfürsorge im Arbeitsalltag. Arbeiten mit Fibromyalgie bedeutet nicht, weniger zu leisten – sondern anders mit deiner Energie umzugehen.

👉 Wenn du merkst, dass du dir dabei Unterstützung wünschst, begleite ich dich gern im Rahmen meiner 1:1 Begleitung dabei, individuelle Strategien für deinen Arbeitsalltag zu entwickeln, die wirklich zu dir und deinem Leben passen.

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Eine Frau im roten Kleid steht vor einem ruhigen Gewaesser mit gruener Umgebung.